Psychologische Praxis Johannes Husar
depression klinisch

Umgangssprachlich: Depression

Depressive Episode

Zugehörig dem Formenkreis Neurotischer Störungen

Der folgende Text ist dem ICD 10 entnommen und wird von mir kommentiert.

Diese Gruppe enthält Störungen deren Hauptsymptome in einer Veränderung der Stimmung oder der Affektivität entweder zur Depression - mit oder ohne begleitende(r) Angst - oder zur gehobenen Stimmung bestehen. Dieser Stimmungswechsel wird meist von einer Veränderung des allgemeinen Aktivitätsniveaus begleitet. Die meisten anderen Symptome beruhen hierauf oder sind im Zusammenhang mit dem Stimmungs- und Aktivitätswechsel leicht zu verstehen. Die meisten dieser Störungen neigen zu Rückfällen. Der Beginn der einzelnen Episoden ist oft mit belastenden Ereignissen oder Situationen in Zusammenhang zu bringen.

Info:

Bei den typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren (F32.2 und F32.3) Episoden leidet der betroffene Patient unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von so genannten "somatischen" Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. Abhängig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen.

Inkl.:

Einzelne Episoden von: depressiver Reaktion

Einzelne Episoden von: psychogener Depression

Einzelne Episoden von: reaktiver Depression (F32.0, F32.1, F32.2)

Exkl.:

Anpassungsstörungen (F43.2)

depressive Episode in Verbindung mit Störungen des Sozialverhaltens (F91.-) (F92.0)

rezidivierende depressive Störung (F33.-)

Leichte depressive Episode  F32.0

Info:

Gewöhnlich sind mindestens zwei oder drei der oben angegebenen Symptome vorhanden. Der betroffene Patient ist im Allgemeinen davon beeinträchtigt, aber oft in der Lage, die meisten Aktivitäten fortzusetzen.

Mittelgradige depressive Episode  F32.1

Info:

Gewöhnlich sind vier oder mehr der oben angegebenen Symptome vorhanden, und der betroffene Patient hat meist große Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen.

Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome F32.2

Info:

Eine depressive Episode mit mehreren oben angegebenen, quälenden Symptomen. Typischerweise bestehen ein Verlust des Selbstwertgefühls und Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld. Suizidgedanken und -handlungen sind häufig, und meist liegen einige somatische Symptome vor.

Inkl.:

Einzelne Episode einer agitierten Depression

Einzelne Episode einer majoren Depression [major depression] ohne psychotische Symptome

Einzelne Episode einer vitalen Depression ohne psychotische Symptome

Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen   F32.3

Info:

Eine schwere depressive Episode, wie unter F32.2 beschrieben, bei der aber Halluzinationen, Wahnideen, psychomotorische Hemmung oder ein Stupor so schwer ausgeprägt sind, dass alltägliche soziale Aktivitäten unmöglich sind und Lebensgefahr durch Suizid und mangelhafte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme bestehen kann. Halluzinationen und Wahn können, müssen aber nicht, synthym sein.

Inkl.:

Einzelne Episoden: majore Depression [major depression] mit psychotischen Symptomen

Einzelne Episoden: psychogene depressive Psychose

Einzelne Episoden: psychotische Depression

Einzelne Episoden: reaktive depressive Psychose

Sonstige depressive Episoden F32.8

Inkl.:

Atypische Depression

Einzelne Episoden der "larvierten" Depression o.n.A.  F32.9

Depressive Episode, nicht näher bezeichnet

Inkl.:

Depression o.n.A.

Depressive Störung o.n.A.

Allgemeine Anmerkung zum Thema:

Eine Depression kommt in der Regel nicht allein. Das heißt sehr oft befindet sich in  ihrer Nähe eine Suchtproblematik, eine Anpassungsstörung, eine Psychosomatik oder eine Schmerzproblematik. Eine Depression kündigt sich zwar relativ früh an, aber wird von den meisten Patienten erst wahrgenommen, wenn diese in einer entsprechenden Episode leben. Die Depression an sich ist eine der häufigsten psychischen Störungen unserer Zeit im europäischen Raum.

Lange wurde die Erblichkeit der Depression diskutiert, was ich persönlich nicht ganz ausschließe. Fakt ist, das in der frühen Entwicklung eines menschen Lösungsschemata geprägt/erlernt/übertragen werden. Zielen diese auf Passivität und Unwirksamkeit ab, ist der Mensch in der Regel empfänglicher für diese Art der Störung. Das bedeutet, ein Mensch der früh erfährt, dass er etwas bewirken kann und gleichzeitig durch stabile Grenzen halt erfährt, dadurch Verantwortlichkeit für sein Handeln wahrnimmt, dadurch positiv denkt, ist gegen eine Depression gut vorbereitet.